Es klang wie ein verfrühter Aprilscherz. Am Morgen des 17. März 2010 veröffentlichte die Lobbyagentur Hering Schuppner per Pressemitteilung, dass Henriette Peucker ab dem 01.04. die "perfekte Ergänzung für unseren Geschäftsbereich Corporate Affairs" sei.
Dies gelte besonders für "unseren integrierten Ansatz Kapitalmarktnähe, Corporate Perspektive und Politik-Erfahrung" (Link). Das kann man wohl sagen. Denn Henriette Peucker leitete davor die Berliner "Repräsentanz" der Deutschen Börse. Sie trieb also die Gesetzgebung zur Öffnung des Wertpapierhandels für verbriefte Kreditforderungen voran. Adressat ihrer Forderungen war der Mann, mit dem sie auch privat liiert ist: der damalige Ministerialdirektor und heutige Staatssekretär im Bundesfinanzministerium Jörg Asmussen. Über den schrieb der SPIEGEL, dass er immer rausgehe, wenn es in einer Sitzung um Geschäfte ginge, in die auch seine Liierte involviert sei..
Diese Mission ist längst erfüllt. Sie hat große private und Landesbanken erschüttert. Die Börse hat an allen, Gewinnern und Verlierern verdient. Die Herren Bankvorstände hingegen waren groß mit dem Wort, aber klein in ihren Fähigkeiten. Leute wie die IKB-Aufsichtsräte Ulrich Hartmann und Michael Rogowski durchschauten die Spiele an der Wallstreet nicht. Sie gaben ihren Vorständen aber Verträge wie an der Wallstreet, fühlten sich wie die Kapitäne großer Ozeandampfer. Nur als alles zusammenbrach und man sie nach ihrer Verantwortung fragte, als man von ihnen im Nachhinein Qualität einforderte, fassten sie das als ungebührliche Provokation Subalterner auf. Und pochten auf die Einhaltung ihrer Bonus- und Pensionszusagen. Zu begleichen bitte schön durch die Steuerzahler. Das galt nicht nur für die glücklosen Spieler, sondern auch für die nicht minder glücklosen "Sanierer".
Zu dieser Gattungsart gehören z.B. die Herren Axel Wieandt (Ex-HRE Vorstand) und sein Vorgänger Georg Funke, der die HRE auf insgesamt 12 Mio. EURO verklagte. An diesem Typus stört, dass er VOR dem Amtsantritt seine hohen materiellen Forderung damit begründet, dass er zur weltweit knappen Elite gehöre, die bereit und fähig sei, hohe Verantwortung zu übernehmen. Wenn er dann versagt hat, begründet er die Durchsetzung seiner Ansprüche mit dem privaten Vertragsrecht.
Bleiben wir bei Axel Wieandt, dem Sohne von Paul Wieandt, seines Zeichens Banksanierer, der z.B. die SchmidtBank sanierte und im Zuge dessen die Online Bank Consors von Karl-Matthäus Schmidt verkaufte. Axel Wieandt studierte an der WHU und ging dann zu: McKinsey. Dort lernte er Martin Blessing kennen, der später Axels Schwester Dorothee heiratete. Blessing ist auch ein Bankierssohn und -enkel: sein Vater war Vorstand der Deutschen Bank, sein Großvater Präsident der Bundesbank. Dorothee übrigens arbeitet bei den Erfindern und größten Profiteuren der Finanzkrise: Goldman Sachs.
Zur Ablenkung der Politik von den eigentlich wichtigen Fragen, zündeten diese Angehörigen einer neuen Täterschicht Nebenkriegsschauplätze. Deutschland diskutierte zwei Jahre lang darüber, ob nun die privaten oder die öffentlichen Banken schlimmere Täter gewesen seien. Dabei ist diese Frage ganz unwichtig. Wichtiger ist die Frage: Was verbindet die Handelnden? Und schaut man da mal näher hin, erkennt man also, dass man es hier mit Familienangelegenheiten zu tun hat. Die Damen und Herren kennen sich gut und schon lange. Die wichtigsten sind sogar miteinander verwandt. Und mancher trott sowohl bei privaten als auch bei öffentlichen Banken auf: Namentlich Hilmar Kopper. Damals Nachfolger des 1989 ermorderten Alfred Herrhausen. Heute Aufsichtsrat bei der HSH Nordbank. Kopper ist ein Beispiel dafür, dass die gleiche Person sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor Schaden anrichten kann.
Hans Martin Bury hingegen ist ein Seitenwechsler der anderen Art. Nicht genug, dass er -wie Asmussen- Mitglied der SPD ist. 2005 wechselte er vom Auswärtigen Amt auf einen Direktorenposten bei den Pleitebänkern der Gebrüder Lehman. Hm, danach wurde er Managing Partner bei HERING SCHUPPENER Consulting.
Solche Seitenwechsel ermöglicht unser Konzept von Rollen und Personen. Jeder darf im Prinzip jede Rolle ausfüllen. Auch wenn der größte Nutzen eines Rollenspielers darin läge, dass er seinen vorherigen Rollengeber verraten würde. Das ist falsch verstandene Berufsfreiheit.
Wir müssen alle genannten Fälle im Zusammenhang mit der Frage sehen: Wer refinanziert die Finanzkrise? Wer kommt für die Depotverluste abgestürzter Großbürger und die Saläre "glückloser" Bankierssöhne auf?
Die 5 EURO Hartz IV Erhöhung sind eine Antwort darauf. Eiskalt vorgetragen von der ausgeguckten Vollstreckerin der Umverteilung von unten nach oben: Der Albrechttochter Ursula von der Leyen.
27 September 2010
23 September 2010
Old
20 September 2010
Endlager im Süden?
In der Frage der Atomenergie sind die Deutschen tief gespalten. Je zur Hälfte befürworten sie sie bzw. lehnen sie sie ab.
Das hängt aber weniger mit der Angst vor einem Kraftwerksstörfall zusammen, als vielmehr mit der Entsorgungsfrage. Der Bayerische Rundfunkt sendete vergangene Woche ein Feature, in dem auch folgendes Umfrageergebnis genannt wurde: Unter der Voraussetzung, dass die Entsorgungsfrage gelöst wäre, wären zwei Drittel der Deutschen für die weitere Nutzung der Kernenergie.
Das kann man auch so lesen: In das Verantwortungsbewusstsein und Fähigkeiten der Ingenieure, die sichere Kraftwerke entwickeln und bauen sollen, haben die meisten Deutschen vertrauen. In die (noch schwarz-gelbe) Regierung, die Verträge mit den Kraftwerksbetreibern verhandelt und die ein Endlager für den Atommüll suchen soll, dagegen nicht.
Die Art und Weise, wie vier Großkonzerne bei der Bundesregierung die Durchsetzung ihrer Geschäftsinteressen betrieben haben, hat am Samstag 100.000 Bürger nach Berlin mobilisiert. Das sind so viele wie 1986 am AKW-Standort der PreussenElektra in Brokdorf. Energieversorger stehen damit in der Ansehensrangliste leider wieder auf einem Abstiegsplatz, gerade noch vor den Banken. In dreißig Jahren haben sie nichts dazu gelernt.
Asse II hat zwei Erkenntnisse zu Tage gefördert:
Erstens kann man Direktabsprachen zwischen konservativen Politikern und Energiemanagern nicht trauen. Niedersachsens MInisterpräsident Ernst Albrecht (CDU) und seine Wirtschaftsministerin Birgit Breuel, die später auch Aufsichtsrat bei PreussenElektra wurde, haben Anfang der Achtziger Jahre Sicherheitsanforderungen und das neue Atomgesetz bedenkenlos vom Tisch gewischt und aus wirtschaftspolitischen Gründen Gorleben, Schacht Konrad und als Versuchslager die Asse vorangetrieben. Außerdem wurde geschlampt oder bewusst verschleiert bei der Dokumentation der Endlagerung. Es sind zehnmal so viele Fässer eingelagert worden und diese zum Teil mit der zehnfachen Radioaktivität und somit auch Wärmeentwicklung, wie dokumentiert worden ist.
Aus dem Skandal Asse II folgt zweitens eine neue Anforderung an Endlager: Die Rückholbarkeit des Mülls, für den Fall, dass wieder Lug und Betrug im Umgang mit Atommüll aufgedeckt wird.
Die Fässer in der Asse strahlen und geben Wärme ab. Die Strahlung durchlöchert buchstäblich die Fasswände und die Wärme sorgt für Ausdehnungen, Verformungen und Rissbildungen im Salzstock. Von Dichtigkeit kann da keine Rede mehr sein. Grundwasserein- und -austritte haben den Stollen destabilisiert, es droht der Einsturz. Von Rückholbarkeit kann deshalb bald auch keine Rede mehr sein. Deshalb bemüht man sich jetzt, die Fässer schnell wieder rauszuholen. Das wird aber mindestens bis etwa zur nächsten Bundestagswahl dauern. Danach soll der Müll im Schacht Konrad eingelagert werden. Ein waghalsiges Projekt.
Ein Endlager für den hochradioaktiven Atommüll muss die Anforderung erfüllen, für ca. 1 Mio. Jahre gefährliche Stoffe sicher zu verschließen. 23.000 Tonnen, 30.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll warten nach den Laufzeitenden der deutschen AKW auf Endlagerung
Es kommen drei Gesteinsarten für ein Endlager in Frage: Salz (Asse, Gorleben), Ton und Granit.
Salz leitet Wärme ab, ist aber wasserlöslich und fließt. Die Idee war mal, dass die Fliesseigenschaften dazu führen werden, dass sich das Salz um die Fässer schließen würde und damit die Wärme um so besser ableiten würde. Asse II zeigt aber, dass diese Eigenschaften die Rückholung erschweren. Salz scheint also den heutigen Sicherheitssanforderungen nicht zu genügen. Es braucht härteres Material. Z.B. Ton oder Granit. Und davon gibt es in Süddeutschland reichlich: Tonschichten haben wir zwischen der schwäbischen Alb und München, sowie Niedersachsen. Granit haben wir unterm Schwarzwald und unterm Bayerischen Wald. Wie gut sich diese Gesteinsarten eignen, darüber will bald die EU etwas berichten.
Wir wissen aus dem Fall Asse empirisch, welche Fehler und falschen Annahmen bei einer so sensiblen Aufgabe wie der Atommüllendlagerung gemacht werden. Wir brauchen also empirische Ergebnisse auch mit anderen Gesteinsarten.
Bevor also Schwarz-Gelb durchregiert und Gorleben unabhängig von dessen Eignung einfach per Erlass zum Endlager bestimmt und dies obendrein mit Enteignungen durchsetzt, sollten vernünftigerweise Endlagerstandorte in Süddeutschland erkundet werden. Süddeutschland als Standort für Atomkraftwerksentwicklung und als Betriebsstandort mehrerer AKW, also als Hauptnutznießer der Atomenergienutzung sollte sowieso als Standort vorrangig untersucht werden.
CDU und FDP haben den von Rot-Grün mühsam errungenen Atomkompromiss in einer undurchsichtigen Aktion revidiert, weil die Energiemanager das von ihnen verlangt haben. Damit ist jedes Vertrauen in diese Bundesregierung wie in einem eingestürzten Stollen verschütt gegangen. Das blockiert die Lösung der unendlichen Geschichte auf unabsehbare Zeit. Der Deal hat den Charakter, ein ohnehin unlösbares Problem einfach noch ein bisschen größer zu machen, als käme es darauf nun auch nicht mehr an. Das nur, damit die Energiemanager während ihrer begrenzten Amtszeiten ihren Aktionären ein paar mehr Earnings per Share präsentieren können. Auf unser aller Kosten und unserer Nachfahren.
Das ist stillos, das ist verantwortungslos und undemokratische ist es auch, und deshalb nur mit einer schwarz-gelben, ausschließlich sich ihren Klienten verpflichtet fühlenden Regierung machbar. Die kurze Gelegenheit dazu haben sie genutzt.
Meiner Meinung nach kann man sich wissenschaftliche Arbeiten schenken, da klar ist, dass man Politikern, die über Endlagerstandorte entscheiden und den Behörden, die Endlager überwachen, nicht trauen kann.
Vielleicht werden sich die Regierungen und Kraftwerksbetreiber irgendwann zu Lasten dritter Länder einigen, die der EU ein Angebot machen. Autoritär-kapitalistische Regime wären da vorstellbar. Aber auch das wäre innenpolitisch schwierig durchzusetzen, weil moralisch fragwürdig.
Die nächsten Castortransporte wird es im November geben. Massive Demonstrationen sind schon jetzt garantiert.
Anmerkung: Der Autor ist Dipl.-Ing. für Elektrotechnik mit Nebenfach Kernprozesstechnik
Das hängt aber weniger mit der Angst vor einem Kraftwerksstörfall zusammen, als vielmehr mit der Entsorgungsfrage. Der Bayerische Rundfunkt sendete vergangene Woche ein Feature, in dem auch folgendes Umfrageergebnis genannt wurde: Unter der Voraussetzung, dass die Entsorgungsfrage gelöst wäre, wären zwei Drittel der Deutschen für die weitere Nutzung der Kernenergie.
Das kann man auch so lesen: In das Verantwortungsbewusstsein und Fähigkeiten der Ingenieure, die sichere Kraftwerke entwickeln und bauen sollen, haben die meisten Deutschen vertrauen. In die (noch schwarz-gelbe) Regierung, die Verträge mit den Kraftwerksbetreibern verhandelt und die ein Endlager für den Atommüll suchen soll, dagegen nicht.
Die Art und Weise, wie vier Großkonzerne bei der Bundesregierung die Durchsetzung ihrer Geschäftsinteressen betrieben haben, hat am Samstag 100.000 Bürger nach Berlin mobilisiert. Das sind so viele wie 1986 am AKW-Standort der PreussenElektra in Brokdorf. Energieversorger stehen damit in der Ansehensrangliste leider wieder auf einem Abstiegsplatz, gerade noch vor den Banken. In dreißig Jahren haben sie nichts dazu gelernt.
Asse II hat zwei Erkenntnisse zu Tage gefördert:
Erstens kann man Direktabsprachen zwischen konservativen Politikern und Energiemanagern nicht trauen. Niedersachsens MInisterpräsident Ernst Albrecht (CDU) und seine Wirtschaftsministerin Birgit Breuel, die später auch Aufsichtsrat bei PreussenElektra wurde, haben Anfang der Achtziger Jahre Sicherheitsanforderungen und das neue Atomgesetz bedenkenlos vom Tisch gewischt und aus wirtschaftspolitischen Gründen Gorleben, Schacht Konrad und als Versuchslager die Asse vorangetrieben. Außerdem wurde geschlampt oder bewusst verschleiert bei der Dokumentation der Endlagerung. Es sind zehnmal so viele Fässer eingelagert worden und diese zum Teil mit der zehnfachen Radioaktivität und somit auch Wärmeentwicklung, wie dokumentiert worden ist.
Aus dem Skandal Asse II folgt zweitens eine neue Anforderung an Endlager: Die Rückholbarkeit des Mülls, für den Fall, dass wieder Lug und Betrug im Umgang mit Atommüll aufgedeckt wird.
Die Fässer in der Asse strahlen und geben Wärme ab. Die Strahlung durchlöchert buchstäblich die Fasswände und die Wärme sorgt für Ausdehnungen, Verformungen und Rissbildungen im Salzstock. Von Dichtigkeit kann da keine Rede mehr sein. Grundwasserein- und -austritte haben den Stollen destabilisiert, es droht der Einsturz. Von Rückholbarkeit kann deshalb bald auch keine Rede mehr sein. Deshalb bemüht man sich jetzt, die Fässer schnell wieder rauszuholen. Das wird aber mindestens bis etwa zur nächsten Bundestagswahl dauern. Danach soll der Müll im Schacht Konrad eingelagert werden. Ein waghalsiges Projekt.
Ein Endlager für den hochradioaktiven Atommüll muss die Anforderung erfüllen, für ca. 1 Mio. Jahre gefährliche Stoffe sicher zu verschließen. 23.000 Tonnen, 30.000 Kubikmeter hochradioaktiver Atommüll warten nach den Laufzeitenden der deutschen AKW auf Endlagerung
Es kommen drei Gesteinsarten für ein Endlager in Frage: Salz (Asse, Gorleben), Ton und Granit.
Salz leitet Wärme ab, ist aber wasserlöslich und fließt. Die Idee war mal, dass die Fliesseigenschaften dazu führen werden, dass sich das Salz um die Fässer schließen würde und damit die Wärme um so besser ableiten würde. Asse II zeigt aber, dass diese Eigenschaften die Rückholung erschweren. Salz scheint also den heutigen Sicherheitssanforderungen nicht zu genügen. Es braucht härteres Material. Z.B. Ton oder Granit. Und davon gibt es in Süddeutschland reichlich: Tonschichten haben wir zwischen der schwäbischen Alb und München, sowie Niedersachsen. Granit haben wir unterm Schwarzwald und unterm Bayerischen Wald. Wie gut sich diese Gesteinsarten eignen, darüber will bald die EU etwas berichten.
Wir wissen aus dem Fall Asse empirisch, welche Fehler und falschen Annahmen bei einer so sensiblen Aufgabe wie der Atommüllendlagerung gemacht werden. Wir brauchen also empirische Ergebnisse auch mit anderen Gesteinsarten.
Bevor also Schwarz-Gelb durchregiert und Gorleben unabhängig von dessen Eignung einfach per Erlass zum Endlager bestimmt und dies obendrein mit Enteignungen durchsetzt, sollten vernünftigerweise Endlagerstandorte in Süddeutschland erkundet werden. Süddeutschland als Standort für Atomkraftwerksentwicklung und als Betriebsstandort mehrerer AKW, also als Hauptnutznießer der Atomenergienutzung sollte sowieso als Standort vorrangig untersucht werden.
CDU und FDP haben den von Rot-Grün mühsam errungenen Atomkompromiss in einer undurchsichtigen Aktion revidiert, weil die Energiemanager das von ihnen verlangt haben. Damit ist jedes Vertrauen in diese Bundesregierung wie in einem eingestürzten Stollen verschütt gegangen. Das blockiert die Lösung der unendlichen Geschichte auf unabsehbare Zeit. Der Deal hat den Charakter, ein ohnehin unlösbares Problem einfach noch ein bisschen größer zu machen, als käme es darauf nun auch nicht mehr an. Das nur, damit die Energiemanager während ihrer begrenzten Amtszeiten ihren Aktionären ein paar mehr Earnings per Share präsentieren können. Auf unser aller Kosten und unserer Nachfahren.
Das ist stillos, das ist verantwortungslos und undemokratische ist es auch, und deshalb nur mit einer schwarz-gelben, ausschließlich sich ihren Klienten verpflichtet fühlenden Regierung machbar. Die kurze Gelegenheit dazu haben sie genutzt.
Meiner Meinung nach kann man sich wissenschaftliche Arbeiten schenken, da klar ist, dass man Politikern, die über Endlagerstandorte entscheiden und den Behörden, die Endlager überwachen, nicht trauen kann.
Vielleicht werden sich die Regierungen und Kraftwerksbetreiber irgendwann zu Lasten dritter Länder einigen, die der EU ein Angebot machen. Autoritär-kapitalistische Regime wären da vorstellbar. Aber auch das wäre innenpolitisch schwierig durchzusetzen, weil moralisch fragwürdig.
Die nächsten Castortransporte wird es im November geben. Massive Demonstrationen sind schon jetzt garantiert.
Anmerkung: Der Autor ist Dipl.-Ing. für Elektrotechnik mit Nebenfach Kernprozesstechnik
19 September 2010
Dorfsaujournalismus
Hagen Rether hat es als erster benannt: Wir echauffieren uns jede Woche, manchmal auch zwei, über ein Thema und steigern uns von Montag bis Sonntag von 0 auf 100. Man erkennt diese Kampagnen an der Formel: " ... als bisher bekannt."
Beispiele aus dem ersten Quartal:
In der vergangenen Nacht ist wesentlich mehr Neuschnee gefallen, als bisher bekannt.
Auf den erworbenen Datenträgern sind wesentlich mehr Steuerhinterzieher verzeichnet, als bisher bekannt.
An der Reisedelegation des Bundesaußenministers haben wesentlich mehr FDP nahe Unternehmer teilgenommen, als bisher bekannt.
Oder auch:
Im Haushalt des bekannten Meteorologen sind wesentlich mehr Messer gefunden worden, als bisher bekannt.
Zum einen werden mit dieser Redewendung Banalalitäten zu einer Nachricht aufgebauscht. Zum anderen suggerieren sie investigative Tätigkeit des Berichterstatters: "Bekannt ist das, was uns bekannt gemacht werden. Aaber, ich habe mal tiefer gewühlt..."
Die Irreführung liegt darin, dass hier Irrelevantes aufgewertet wird aber sogetan wird, als habe man Relevantes mühevoll ans Tageslicht gebracht. Der Beweis für die Irrelevanz de Kampagne ist, dass sie in der nächsten Woche von einer neuen Kampagne abgelöst wird.
Oder ist es so, dass selbst wichtige Befunde nicht weiter verfolgt werden, wenn es nach einer Woche Stoff für eine neue plakative Kampagne gibt? Das wäre fatal.
Rether machte den Rythmus der Wochenmagazine für diesen Modus verantwortlich. Pro Jahr schaffen wir 50 bis 52 Themen. Aber schon nach zwei Wochen haben wir vergessen, worüber wir uns mal richtig aufgeregt haben.
Beispiele aus dem ersten Quartal:
In der vergangenen Nacht ist wesentlich mehr Neuschnee gefallen, als bisher bekannt.
Auf den erworbenen Datenträgern sind wesentlich mehr Steuerhinterzieher verzeichnet, als bisher bekannt.
An der Reisedelegation des Bundesaußenministers haben wesentlich mehr FDP nahe Unternehmer teilgenommen, als bisher bekannt.
Oder auch:
Im Haushalt des bekannten Meteorologen sind wesentlich mehr Messer gefunden worden, als bisher bekannt.
Zum einen werden mit dieser Redewendung Banalalitäten zu einer Nachricht aufgebauscht. Zum anderen suggerieren sie investigative Tätigkeit des Berichterstatters: "Bekannt ist das, was uns bekannt gemacht werden. Aaber, ich habe mal tiefer gewühlt..."
Die Irreführung liegt darin, dass hier Irrelevantes aufgewertet wird aber sogetan wird, als habe man Relevantes mühevoll ans Tageslicht gebracht. Der Beweis für die Irrelevanz de Kampagne ist, dass sie in der nächsten Woche von einer neuen Kampagne abgelöst wird.
Oder ist es so, dass selbst wichtige Befunde nicht weiter verfolgt werden, wenn es nach einer Woche Stoff für eine neue plakative Kampagne gibt? Das wäre fatal.
Rether machte den Rythmus der Wochenmagazine für diesen Modus verantwortlich. Pro Jahr schaffen wir 50 bis 52 Themen. Aber schon nach zwei Wochen haben wir vergessen, worüber wir uns mal richtig aufgeregt haben.
Smartphone und Multimedianotebook als Big Brother
Entertainment ist der unverdächtigste Weg, die Leute mit Überwachungstechnik auszurüsten. Die Leute kaufen internetfähige Rechner und Telefonone mit leistungsfähiger Sensorik. Um zu chatten, für Bildtelefonie, für vernetzte Spiele. Die Benutzung der Sensorik geht mit unterhaltenden optischen und akustischen Effekten einher. Wenn wir mit dem Rechner oder iPhone ein Foto von uns aufnehmen, blitzt und klickt es, wie wir das von Kameras kennen. Bei Skype drücken wir Buttons, wenn wir stummschalten oder sprechen wollen. Wenn wir mit dem Finger über die Oberfläche fahren, bewegt sich der Mauszeiger, oder ein Programm startet. Kurz, wir benutzen folgende Sensoren:
- Kamera
- Mikrophone
- Berührungsempfindliche Bedienoberfläche
(zusätzlich im Hintergrund aktiv:- GPS-Sensor)
und glauben, es zu erkennen, wenn sie benutzt werden. Doch es ist auch möglich, diese Sensoren zu aktivieren, ohne dass dies erkennbar ist. Das geht dann so:
- Wir werden über die Kamera fotografiert oder gefilmt, ohne dass es surrt, klickt oder blitzt. (Bitte hier mal bei Oreillynet ausprobieren: Link und überrascht sein. Allerdings leuchtet hier noch die Aufnahme-LED. Aber Insider wissen, wie man auch die abschaltet..)
- Unsere Stimme wird von den als Mikrophon geschalteten Lautsprechern aufgezeichnet.
- Unser Pulsschlag wird über das Touchscreen oder -pad gemessen.
Mit solchen Informationen wird es möglich, zu identifizieren, wer vor dem Rechner sitzt und gerade etwas liest, schreibt, anschaut, überweist etc.. Vorausgesetzt, die Abgleichmuster sind in einer zentralen Datenbank verfügbar.
Über den GPS-Sensor des Smartphones wird dann noch verfolgt, wo sich der Identifizierte gerade aufhält.
- Kamera
- Mikrophone
- Berührungsempfindliche Bedienoberfläche
(zusätzlich im Hintergrund aktiv:- GPS-Sensor)
und glauben, es zu erkennen, wenn sie benutzt werden. Doch es ist auch möglich, diese Sensoren zu aktivieren, ohne dass dies erkennbar ist. Das geht dann so:
- Wir werden über die Kamera fotografiert oder gefilmt, ohne dass es surrt, klickt oder blitzt. (Bitte hier mal bei Oreillynet ausprobieren: Link und überrascht sein. Allerdings leuchtet hier noch die Aufnahme-LED. Aber Insider wissen, wie man auch die abschaltet..)
- Unsere Stimme wird von den als Mikrophon geschalteten Lautsprechern aufgezeichnet.
- Unser Pulsschlag wird über das Touchscreen oder -pad gemessen.
Mit solchen Informationen wird es möglich, zu identifizieren, wer vor dem Rechner sitzt und gerade etwas liest, schreibt, anschaut, überweist etc.. Vorausgesetzt, die Abgleichmuster sind in einer zentralen Datenbank verfügbar.
Über den GPS-Sensor des Smartphones wird dann noch verfolgt, wo sich der Identifizierte gerade aufhält.
17 September 2010
Trennschärfe
Bundespräsident Wulff hat die Neutralität der Bundesbank nicht deshalb verletzt, weil er die Pensionierung Sarrazins forciert hat. Sarrazin war zwar bei der Bundesbank als Vorstand angestellt, aber dieses Amt hat er nicht ausgefüllt. Es ging deshalb nicht um Auffassungsunterschiede über die richtige Bundesbankpolitik zwischen Bundesbank und Regierung.
Man ist nicht gegen die Bahn, wenn man gegen Stuttgart21 ist.
Die Meinungsfreiheit wird nicht gefährdet, wenn öffentliche Beleidigungen und Diskriminierungen geächtet werden.
Die DDR war nicht deshalb kein Unrechtsstaat, weil in ihr auch Recht gesprochen wurde.
OB Sauerland ist nicht deshalb für die Opfer der Loveparade nicht verantwortlich, nur weil er nichts unterschrieben hat.
Polen ist nicht für den Ausbruch des zweiten Weltkrieges verantwortlich, auch nicht mitverantwortlich, falls es gegen die hochgerüsteten Deutschen mobil gemacht hat.
Die Finanzkrise haben nicht gierige Kleinanleger ausgelöst, nur weil die die getarnten und manipulierten Verbriefungsangebote der Banken angenommen haben. Wer das behauptet, dem verkaufe ich gerne mal ein Auto mit defektem Steuergerät.
Man ist nicht gegen die Bahn, wenn man gegen Stuttgart21 ist.
Die Meinungsfreiheit wird nicht gefährdet, wenn öffentliche Beleidigungen und Diskriminierungen geächtet werden.
Die DDR war nicht deshalb kein Unrechtsstaat, weil in ihr auch Recht gesprochen wurde.
OB Sauerland ist nicht deshalb für die Opfer der Loveparade nicht verantwortlich, nur weil er nichts unterschrieben hat.
Polen ist nicht für den Ausbruch des zweiten Weltkrieges verantwortlich, auch nicht mitverantwortlich, falls es gegen die hochgerüsteten Deutschen mobil gemacht hat.
Die Finanzkrise haben nicht gierige Kleinanleger ausgelöst, nur weil die die getarnten und manipulierten Verbriefungsangebote der Banken angenommen haben. Wer das behauptet, dem verkaufe ich gerne mal ein Auto mit defektem Steuergerät.
16 September 2010
Vattenfall spaltet Brandenburg
Vattenfall betreibt Kernkraft- und Braunkohlekraftwerke. Während der radioaktive Müll, der aus der Versorgung des Nordens anfällt, in Gorleben vergraben werden soll, hat Vattenfall vorgeschlagen, die CO2-Emissionen der brandenburgischen Braunkohle auch in Brandenburg endzulagern. Da die Anrainer des geplanten CCS-Lagers aber NEIN sagen, stellt Vattenfall nun die Existenz der Lausitzer Braunkohle in Frage.
Würden die Kraftwerksbetreiber genau so mit dem radiaktiven Müll umgehen, ihn nämlich in der Nähe der Kraftwerke endzulagern, wäre die Kernenergie in Deutschland nie gestartet.
Was folgt daraus?
1. Wir müssen Karftwerks- mit Endlagerstandorten verknüpfen.
2. Matthias Platzeck und Frank-Walter Steinmeier werden bald ein Thema bekommen. Die Kohlekumpel werden gegen die CCS-Anrainer ausgespielt. Und die SPD Berlin Mitte mit ihrem Kandidaten aus dem IZ Klima wird dann auch ein Thema haben
Würden die Kraftwerksbetreiber genau so mit dem radiaktiven Müll umgehen, ihn nämlich in der Nähe der Kraftwerke endzulagern, wäre die Kernenergie in Deutschland nie gestartet.
Was folgt daraus?
1. Wir müssen Karftwerks- mit Endlagerstandorten verknüpfen.
2. Matthias Platzeck und Frank-Walter Steinmeier werden bald ein Thema bekommen. Die Kohlekumpel werden gegen die CCS-Anrainer ausgespielt. Und die SPD Berlin Mitte mit ihrem Kandidaten aus dem IZ Klima wird dann auch ein Thema haben
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Obama öffnet Weltraum für Touristen

Um mich in Stimmung für unseren bevorstehenden NY-Trip zu bringen, lese ich öfter die NYT-Online. Und was finde ich da: Barrack Obama will einen meiner Kindheitsträume wahr machen. Er will Astronautentransporte für den Tourismus öffnen.
Während die Dienstzeiten der Space Shuttles zu Ende gehen, stellt Obama die Budgetfrage für die NASA. Er will die Geschäftsbereiche auftrennen. Die Transporte von Astronauten zur Internationalen Raumstation ISS will er künftig an Privatunternehmen ausschreiben. Das soll die Kosten senken. Die NASA könne sich dann mehr auf ihre wissenschaftlichen Missionen konzentrieren. Zwei oder drei Plätze sollten künftig für mitfliegende Touristen reserviert bleiben.
Aber natürlich geht nun erstmal das Gerangel um die Finanzierung los. Boeing soll nach einem ersten Blick auf die Budgeplanung gesagt haben, das reiche nicht für die Entwicklung, der Staat müsse sich stärker am Risiko einer Commercial Crew-Raumkapsel beteiligen. Boeings Berater haben vermutlich herausgefunden, dass der Weltraum ein unsicherer Markt ist.
Obama's Plan ist der "Break down" eines Planes, den er von George W. Bush geerbt hat. Der wollte auf dem Mond eine Station errichten. Ob er dies tun wollte, weil der Mond "da ist", weil er dort Erdöl vermutet oder Massenvernichtungswaffen propagierter Schurken, ist nicht überliefert.
Aber ich wäre aber begeistert, in zehn Jahren einen Flug zum Mond antreten zu können. Aber bitte mit viel Beinfreiheit...
15 September 2010
Vorwärts, Berlin!
Heute schreibe ich mal in einer der ältesten Zeitungen Deutschlands, Im Vorwärts: Link
13 September 2010
Facelift Time bei Apple
Wenn man sich mal spaßeshalber in einen der "quarterly conference calls" von Apple einklinkt, kann man Analysten zuhören, die bescheiden kluge Fragen an den Apple Vorstand stellen. So in der Art: "Steve, it looks good. But what about the ipods? We expected 3 billion sold, but you only come up with 2,9. Why?"
Harald Schmidt würde an dieser Stelle, auch in einer Telefonkonferenz ohne Facetime, wahrscheinlich seine Brille abnehmen, sie an einem Bügel eine viertel Umdrehung machen lassen. Sich dann etwas vorlehnen und mit schiefem Lächeln sagen: "Liebe Analysten, Ihr selbst habt es doch nicht geschafft, oder?..."
Der Vorstand eines deutschen Konzerns für Unterhaltungselektronik, vielleicht von Infineon, vielleicht Siemens, jedenfalls sicherlich von McKinsey beraten, würde antworten: "Ja. Wir sind bei den iPods am Ende des Lebenszyklus angekommen. Wir gehen davon aus, dass wir uns dem Markttrend anpassen müssen, wir werden die Produktlinie herunterfahren. Wir stellen das Produkt zum Jahresende ein."
Ganz anders Steve Jobs: Er lässt herausfinden, warum die Leute etwas weniger iPods gekauft haben. Gut, manche kaufen stattdessen lieber gleich das iPhone. Aber gibt es auch solche, die gerne einen iPod gekauft hätten, sich aber für eine andere Marke entschieden haben? Ja, und dafür gab es Gründe. Die liegen in den Features der beiden günstigsten iPod Kategorien. Apple nutzt den Shuffle und den Nano, um ein wenig mit Bedienkonzepten herumzuspielen, zu schauen, was die Leute annehmen und was nicht. So fand er heraus, dass die Leute nicht auf Bedientasten oder Clickwheels verzichten wollen. Eine reine Sprachbedienung funktioniert in vielen Fällen nicht. Deshalb wollten die Leute ihre Tasten zurück. Und, voila, die haben sie nun bekommen.
Das ist die Gelegenheit, ein Touchsreen gleich mal noch für andere Zwecke zu verwenden, als zur Bedienung: Z.B. als optisch gut sichtbares Modefeature. Der neue nano ist nano-klein, hat eine berührempfindliche Glasoberfläche - und: einen Kleiderclip. Man kann ihn sich ans Revers heften, so dass jedes Gegenüber eine kleine leuchtende Dia- oder Videoshow sehen kann. Kommt sicher gut abends im Dunkeln. In der Szenekneipe, im Club. Auf der schönen Party... ;-) Kann aber auch in anderen Gegenden zum Diebstahl reizen.

Ja und dann sind da noch die Leute, die gerne spielen, schriftlich kommunizieren, aber nicht telefonieren. Für die ist der iPod Touch aufgewertet worden. Aber eines fehlt ihm immer noch: Die 3G Vernetzung. Ich will surfen, überall, muss aber nicht telefonieren können. Wann kommt der iPod, in den die SIM Karte nur für Datenübertragung passt??
Harald Schmidt würde an dieser Stelle, auch in einer Telefonkonferenz ohne Facetime, wahrscheinlich seine Brille abnehmen, sie an einem Bügel eine viertel Umdrehung machen lassen. Sich dann etwas vorlehnen und mit schiefem Lächeln sagen: "Liebe Analysten, Ihr selbst habt es doch nicht geschafft, oder?..."
Der Vorstand eines deutschen Konzerns für Unterhaltungselektronik, vielleicht von Infineon, vielleicht Siemens, jedenfalls sicherlich von McKinsey beraten, würde antworten: "Ja. Wir sind bei den iPods am Ende des Lebenszyklus angekommen. Wir gehen davon aus, dass wir uns dem Markttrend anpassen müssen, wir werden die Produktlinie herunterfahren. Wir stellen das Produkt zum Jahresende ein."
Ganz anders Steve Jobs: Er lässt herausfinden, warum die Leute etwas weniger iPods gekauft haben. Gut, manche kaufen stattdessen lieber gleich das iPhone. Aber gibt es auch solche, die gerne einen iPod gekauft hätten, sich aber für eine andere Marke entschieden haben? Ja, und dafür gab es Gründe. Die liegen in den Features der beiden günstigsten iPod Kategorien. Apple nutzt den Shuffle und den Nano, um ein wenig mit Bedienkonzepten herumzuspielen, zu schauen, was die Leute annehmen und was nicht. So fand er heraus, dass die Leute nicht auf Bedientasten oder Clickwheels verzichten wollen. Eine reine Sprachbedienung funktioniert in vielen Fällen nicht. Deshalb wollten die Leute ihre Tasten zurück. Und, voila, die haben sie nun bekommen.
Das ist die Gelegenheit, ein Touchsreen gleich mal noch für andere Zwecke zu verwenden, als zur Bedienung: Z.B. als optisch gut sichtbares Modefeature. Der neue nano ist nano-klein, hat eine berührempfindliche Glasoberfläche - und: einen Kleiderclip. Man kann ihn sich ans Revers heften, so dass jedes Gegenüber eine kleine leuchtende Dia- oder Videoshow sehen kann. Kommt sicher gut abends im Dunkeln. In der Szenekneipe, im Club. Auf der schönen Party... ;-) Kann aber auch in anderen Gegenden zum Diebstahl reizen.

Ja und dann sind da noch die Leute, die gerne spielen, schriftlich kommunizieren, aber nicht telefonieren. Für die ist der iPod Touch aufgewertet worden. Aber eines fehlt ihm immer noch: Die 3G Vernetzung. Ich will surfen, überall, muss aber nicht telefonieren können. Wann kommt der iPod, in den die SIM Karte nur für Datenübertragung passt??
12 September 2010
Das Peter-Prinzip
Es gibt auch Fallen, unter denen der Fallensteller leidet. Ein freundlicher Ex-Kollege hatte mich vor zehn Jahren mal auf das Peter-Prinzip aufmerksam gemacht Inzwischen habe ich es dutzendfach bestätigt gefunden.
Es geht so:
Es geht so:
11 September 2010
Yoko Ono's Ausstellung DAS GIFT
Beuys sagte: Jeder ist ein Künstler. Phil McKinney sagt: Creativity is a skill, not a talent. Yoko Ono bindet ihre Besucher in ihre Konzeptkunst ein, die Handlung des Besuchers vervollständigt das Werk. Am Vorabend des 11. September eröffnete sie in Berlin ihre Ausstellung DAS GIFT. Und Yoko hat die Dosis genau bemessen, wie wir gestern selbst festgestellt haben..

Die Galerie Haunch of Vension liegt in der Heidestr. 46, nördlich des Berliner Hauptbahnhofs. Die Ausstellung ist absolut sehenswert.

Durchschüsse durch eine Glasscheibe. Ein eindrucksvolles Bild für Gewalt. Und Yoko Onos eigene Gewalterfahrung. Schüsse, die sie verfehlten. Ihre Handlungsanweisung: "Gehe auf die andere Seite und schau durch das Loch." Mit anderen Worten: Nimm die Rolle Deines Opfers ein und schau in Deinen eigenen Schuss.

In der ersten Etage befindet sich der Container für Erinnerungen an Gewalt (MEMORY OF VIOLENCE). Hier hängen Berlinkarten aus verschiedenen Epochen. Besucher können Zeugnisse von Gewalterfahrungen an die Karten pinnen. Unser Beitrag: "He said: Take it as a chance".

Im Keller der Tausendfüßler: HEAL. Stopfe die Wunden der zerfetzten Wand.

Sag, wo die Soldaten sind...

Die Galerie Haunch of Vension liegt in der Heidestr. 46, nördlich des Berliner Hauptbahnhofs. Die Ausstellung ist absolut sehenswert.

Durchschüsse durch eine Glasscheibe. Ein eindrucksvolles Bild für Gewalt. Und Yoko Onos eigene Gewalterfahrung. Schüsse, die sie verfehlten. Ihre Handlungsanweisung: "Gehe auf die andere Seite und schau durch das Loch." Mit anderen Worten: Nimm die Rolle Deines Opfers ein und schau in Deinen eigenen Schuss.

In der ersten Etage befindet sich der Container für Erinnerungen an Gewalt (MEMORY OF VIOLENCE). Hier hängen Berlinkarten aus verschiedenen Epochen. Besucher können Zeugnisse von Gewalterfahrungen an die Karten pinnen. Unser Beitrag: "He said: Take it as a chance".

Im Keller der Tausendfüßler: HEAL. Stopfe die Wunden der zerfetzten Wand.

Sag, wo die Soldaten sind...
09 September 2010
Die Servolenkung

Der Krieg ist der Vater vieler Erfindungen. Manchmal ist er ihr Mentor. Das gilt für die Servolenkung.
Der VW Käfer brauchte keine. Die ersten Porsches auch nicht. Denn die hatten Motor und Getriebe im Heck verbaut. Da lag nur wenig Last auf der Vorderachse. Erst als Motoren auch vorne eingebaut wurden, stieg der Kraftbedarf zum Lenken spürbar an. Das war damals sicher ein wichtiges Kaufkriterium: Die Komfortfrage Lenkaufwand. Zumindest für Frauen. Irgendwann wollte man den Radius des Lenkrads nicht mehr vergrößern und man griff auf die Servolenkung zurück. In der Einführungsphase erkannte man die Modelle mit Servolenkung am kleineren Lenkrad.
Erfunden aber hatte die Servolenkung der amerikanischer Ingenieur Davis für die Fahrzeuge, die ihren Motor schon immer vorne hatten: LKWs. Durchgesetzt hat sie sich erst, als die Massenproduktion für besonders schwere Fahrzeuge begann: In der Mobilisierung für den zweiten Weltkrieg. Für schwere und gepanzerte Transporter.
Die Kunst bei der Konstruktion der Servolenkung ist es, ihren Energieverbrauch möglichst niedrig zu halten, wenn sie nicht gebraucht wird. Und das ist die meiste Zeit der Fall. Deshalb geht man heute von der hydraulischen zur elektrischen Servolenkung über. Der Elektromotor für die Lenkkraft verbraucht bei der Geradeausfahrt nichts, während der Hydraulikreislauf auch einen Ruhedurchfluss braucht.
Chrysler setzte nach Kriegsende Davis' Servolenkung als erster in PKWs ein. Da war sein Patent (Link) aber schon abgelaufen. Seine ersten beiden Arbeitgeber hatten nicht an die Servolenkung geglaubt, bzw. hielten sie für zu teuer. Sie ließen ihn aber dennoch forschen und entwickeln und patentieren. Chrysler griff auf diese Patentschriften zurück, ohne einen Cent Lizenzgebühr zahlen zu müssen. Die 20 Jahre Patentlaufzeit sind manchmal schnell rum.
Breitreifen und SUVs hätten sich ohne Servolenkung sicher nicht durchsetzen können.
08 September 2010
Die Widerlegung des Arguments "Meinungsfreiheit für Sarrazin"
In den Leserkommentaren von FAZ, WELT und Co. wimmelt es von Beiträgen, in denen Sarrazin mit dem Argument Meinungsfreiheit verteidigt wird. Ich fand das schief, ohne genau formulieren zu können, warum.
Jetzt hat es ein Paperblog Blogger auf den Punkte gebracht.
So isses. Der Vergleich der Sarrazin-Anhänger mit der DDR hinkt. Sarrazin sitzt auf Seiten der Macht. Und kritisiert von dort Minderheiten. Er braucht nicht die Meinungsfreiheit, die mutige Widerständler erkämpft haben. Er hat die Meinungsfreiheit, die Mächtige eben haben.
Jetzt hat es ein Paperblog Blogger auf den Punkte gebracht.
Das Recht auf freie Meinungsäußerung entstand nicht aus einem Impuls heraus, Meinung auch gegen wehrlose Gesellschaftsgruppen kundzutun. Es ist ein Kind der Furcht - einer Furcht, die man zuweilen vor der Macht haben musste und auch heute noch gelegentlich haben darf. Als es 1789 mittels der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in die menschliche Historie trat, sollte es die Menschen von der Angst befreien, bei abweichender Meinung sanktioniert zu werden. Endlich sollte der Staatsbürger seinen Herren nicht mehr nach dem Mund reden müssen; endlich sollte man, wenigstens theoretisch, widersprechen und andere Ansichten als sein Fürst, sein Minister, sein Dienstherr, andere Ansichten als Adel und Klerus haben dürfen. Und das ohne Angst vor Bestrafung.
So isses. Der Vergleich der Sarrazin-Anhänger mit der DDR hinkt. Sarrazin sitzt auf Seiten der Macht. Und kritisiert von dort Minderheiten. Er braucht nicht die Meinungsfreiheit, die mutige Widerständler erkämpft haben. Er hat die Meinungsfreiheit, die Mächtige eben haben.
Mein erstes Jahr in der SPD
Nach einem Jahr SPD-Mitgliedschaft ziehe ich folgendes Resume: Mit der SPD im Bund bin ich zufrieden. Sie folgt ihrem Kompass und hat sich bei den Gesetzesvorlagen der Regierung zur Re-Finanzierung der Finanzkrise so verhalten, wie ich es erwartet hätte. Frank-Walter Steinmeier, der mit seinem "Deutschland-Plan" im Wahlkampf etwas undramatisch gewirkt hatte, hat inhaltlich recht behalten: Wir reden ein Jahr später über Vollbeschäftigung und Fachkräftemangel. Davon war bei CDU und FDP überhaupt keine Rede. Die waren mit der Bedienung ihrer Klientels und Lobbies beschäftigt.
Aber die Berliner SPD? Hier habe ich mich außer zu dem Neumitgliederseminar und der Ideenkonferenz zu nichts aufraffen können. Die Landespolitik dreht sich um die Verwaltung des Mangels, sie will den Mangel "gerecht" verteilen. Ich vermisse Initiative zur Beseitigung des Mangels. Dazu kamen von Klaus Wowereit und Michael Müller bisher zwei Initiativen: Einmal für die Kreativwirtschaft und für die "Reindustrialisierung" Berlins. Für die Erkennung dieses Potenzials genügten der Berliner SPD aber keine 10 Jahre Regierungsbeteiligung, sondern auch sie stützte sich hier auf McKinsey. Liest man den McKinsey Bericht, findet man eigentlich nur zusammengestelltes Zeitungswissen. Diese Expertise hätte auch das Erfahrungswissen der Mitglieder, geliefert, in mindestens der gleichen Qualität.
Apropos Mitglieder: Die SPD Ortsvereine erwarten von ihren Mitgliedern, dass sie "hingehen". Online Diskussionen oder Gruppenarbeiten finden nicht statt. Es gibt keine funktionierenden Onlineforen. Weder auf Landes- noch Bundesebene. Das ist anscheinend nicht erwünscht. Wenn ich meinen OV Vorsitzenden per Email anspreche, ihm Themen vorschlage, reagiert er nicht. Einer meiner Genossen aus Moabit, mit dem ich auch beruflich zu tun habe, hat hier nun die Initiative übernommen. Ich denke wehmütig an die Diskussionsschlachten auf Björn Jotzo's Forum "liberalis" zurück.
Würde die SPD ihre Mitglieder besser einbinden, würde sie auch erfahren, welche Themen den Leuten tatsächlich auf den Nägeln brennen. Da haben viele den Eindruck, der Senat interessiere sich nicht wirklich für die Misstände. Wir werden uns sicher nicht bis in den Wahlkampf im kommenden Jahr nur mit Sarrazin beschäftigen können.
Stürzt man sich z.B. jeden Morgen in den Berufsverkehr, sei es mit dem Auto, Bahn oder Fahrrad, kriegt man regelmäßig die Pimpanellen. Alles was man hier planen oder managen könnte, ist schlecht gemanagt:
- Die Senatorin für Stadtentwicklung nimmt alle Affronts und Zumutungen der Berliner S-Bahn achselzuckend hin.
- Der Straßenverkehr verlottert. Man wird andauernd ausgebremst durch falsche Ampelschaltungen. Radfahrer halten sich überhaupt nicht mehr an Verkehsregeln. Es heißt: Jeder gegen jeden.
- Radfahrer und Autofahrer werden durch unsägliche Kreuzungsgestaltungen gegeneinander aufgebracht: Rechtsabbiegen ist inzwischen ein heikleres Manöver als Linksabbiegen.
Im letzten Winter brachen sich die Leute die Knochen, weil vor den öffentlichen Gebäuden kein Winterdienst stattfand. Umweltsenatorin Lompscher, Linkspartei, reagierte: Sie bedroht fortan private Vermieter, wenn diese nicht rechtzeitig Schnee und Eis schippen. Dabei waren die gar nicht das Problem. Sie selbst war das Problem. Aber dazu hat sie nichts geregelt.
Frau Lompscher verdanken wir auch all den Ärger und die Kosten für die Umweltzone. Wir haben uns alle auf die Socken gemacht, um unsere Kfz-Scheine umschreiben zu lassen und beim Amt die Formulare für die grüne Plakette zu bekommen. Der Berliner Luft hat das nichts gebracht. Wie wir schon vorhergesagt hatten: Wenn man alte Benziner zum Sündenbock macht und die Dieselstinker von Polizei und BVG weiter durchlässt, wird sich nichts ändern. Die Umweltzone wird nun kontrolliert von Polizeistreifen, die die größte Emittentengruppe für Feinstaub repräsentiert...
Frau Lompscher fabriziert auch sonst nur Müll: Zweimal hat sie Anlauf für ein CO2-Einsparkonzept genommen. Zweimal wurde sie zurückgepfiffen: Weil die Gebäudesanierung nun einmal Geld kostet, verzichtet sie großzügig auf Verpflichtungen für öffentliche Gebäude. Den privaten Vermietern wollte sie aber gleichzeitig verbieten, die Investitionskosten in Wärmedämmung und Heizungserneuerung auf die Mieten umzulegen. Jetzt gibt es ein drittes Konzept: Ein Stufenmodell. Erstellt von einer ungewöhnlichen Koalition aus BUND, IHK und anderen... Das alles verursacht nicht die SPD sondern die Linkspartei. Aber die SPD nimmt es mehr oder weniger desinteressiert hin...
Womit die SPD energiepolitisch allerdings noch auffallen wird, ist ihr Kandidat aus Mitte für das Abgeordnetenhaus: Genosse Donnermeyer ist der frühere Sprecher von Klaus Wowereit. Irgendwann hatte er von dem Job genug und wurde Lobbyist für das IZ Klima. Eine Lobbyorganisation von Kraftwerksbetreibern, die für die unterirdische Speicherung von CO2 (CCS, arbon Dioxide Capture and Storage) wirbt. Die machen sich gerade in Brandenburg damit unbeliebt, nahe des Wahlkreises von Frank-Walter Seinmeier. Etwas unterirdisch war auch, wie der Kandidat ins Rennen kam: Er meldete sich und im Hinterzimmer wurde er ausgekungelt. Es gab ein kleines Emailscharmützel. Donnermeyer behauptet, nicht für die IZ Klima ins Abgeordnetenhaus zu wollen, sondern seine beiden Hüte auseinander halten zu wollen.
Nee, das isses noch nicht. Ich lasse das Jahr 2011 erstmal verstreichen. Die Karten werden da heftig neu gemischt werden.
Aber die Berliner SPD? Hier habe ich mich außer zu dem Neumitgliederseminar und der Ideenkonferenz zu nichts aufraffen können. Die Landespolitik dreht sich um die Verwaltung des Mangels, sie will den Mangel "gerecht" verteilen. Ich vermisse Initiative zur Beseitigung des Mangels. Dazu kamen von Klaus Wowereit und Michael Müller bisher zwei Initiativen: Einmal für die Kreativwirtschaft und für die "Reindustrialisierung" Berlins. Für die Erkennung dieses Potenzials genügten der Berliner SPD aber keine 10 Jahre Regierungsbeteiligung, sondern auch sie stützte sich hier auf McKinsey. Liest man den McKinsey Bericht, findet man eigentlich nur zusammengestelltes Zeitungswissen. Diese Expertise hätte auch das Erfahrungswissen der Mitglieder, geliefert, in mindestens der gleichen Qualität.
Apropos Mitglieder: Die SPD Ortsvereine erwarten von ihren Mitgliedern, dass sie "hingehen". Online Diskussionen oder Gruppenarbeiten finden nicht statt. Es gibt keine funktionierenden Onlineforen. Weder auf Landes- noch Bundesebene. Das ist anscheinend nicht erwünscht. Wenn ich meinen OV Vorsitzenden per Email anspreche, ihm Themen vorschlage, reagiert er nicht. Einer meiner Genossen aus Moabit, mit dem ich auch beruflich zu tun habe, hat hier nun die Initiative übernommen. Ich denke wehmütig an die Diskussionsschlachten auf Björn Jotzo's Forum "liberalis" zurück.
Würde die SPD ihre Mitglieder besser einbinden, würde sie auch erfahren, welche Themen den Leuten tatsächlich auf den Nägeln brennen. Da haben viele den Eindruck, der Senat interessiere sich nicht wirklich für die Misstände. Wir werden uns sicher nicht bis in den Wahlkampf im kommenden Jahr nur mit Sarrazin beschäftigen können.
Stürzt man sich z.B. jeden Morgen in den Berufsverkehr, sei es mit dem Auto, Bahn oder Fahrrad, kriegt man regelmäßig die Pimpanellen. Alles was man hier planen oder managen könnte, ist schlecht gemanagt:
- Die Senatorin für Stadtentwicklung nimmt alle Affronts und Zumutungen der Berliner S-Bahn achselzuckend hin.
- Der Straßenverkehr verlottert. Man wird andauernd ausgebremst durch falsche Ampelschaltungen. Radfahrer halten sich überhaupt nicht mehr an Verkehsregeln. Es heißt: Jeder gegen jeden.
- Radfahrer und Autofahrer werden durch unsägliche Kreuzungsgestaltungen gegeneinander aufgebracht: Rechtsabbiegen ist inzwischen ein heikleres Manöver als Linksabbiegen.
Im letzten Winter brachen sich die Leute die Knochen, weil vor den öffentlichen Gebäuden kein Winterdienst stattfand. Umweltsenatorin Lompscher, Linkspartei, reagierte: Sie bedroht fortan private Vermieter, wenn diese nicht rechtzeitig Schnee und Eis schippen. Dabei waren die gar nicht das Problem. Sie selbst war das Problem. Aber dazu hat sie nichts geregelt.
Frau Lompscher verdanken wir auch all den Ärger und die Kosten für die Umweltzone. Wir haben uns alle auf die Socken gemacht, um unsere Kfz-Scheine umschreiben zu lassen und beim Amt die Formulare für die grüne Plakette zu bekommen. Der Berliner Luft hat das nichts gebracht. Wie wir schon vorhergesagt hatten: Wenn man alte Benziner zum Sündenbock macht und die Dieselstinker von Polizei und BVG weiter durchlässt, wird sich nichts ändern. Die Umweltzone wird nun kontrolliert von Polizeistreifen, die die größte Emittentengruppe für Feinstaub repräsentiert...
Frau Lompscher fabriziert auch sonst nur Müll: Zweimal hat sie Anlauf für ein CO2-Einsparkonzept genommen. Zweimal wurde sie zurückgepfiffen: Weil die Gebäudesanierung nun einmal Geld kostet, verzichtet sie großzügig auf Verpflichtungen für öffentliche Gebäude. Den privaten Vermietern wollte sie aber gleichzeitig verbieten, die Investitionskosten in Wärmedämmung und Heizungserneuerung auf die Mieten umzulegen. Jetzt gibt es ein drittes Konzept: Ein Stufenmodell. Erstellt von einer ungewöhnlichen Koalition aus BUND, IHK und anderen... Das alles verursacht nicht die SPD sondern die Linkspartei. Aber die SPD nimmt es mehr oder weniger desinteressiert hin...
Womit die SPD energiepolitisch allerdings noch auffallen wird, ist ihr Kandidat aus Mitte für das Abgeordnetenhaus: Genosse Donnermeyer ist der frühere Sprecher von Klaus Wowereit. Irgendwann hatte er von dem Job genug und wurde Lobbyist für das IZ Klima. Eine Lobbyorganisation von Kraftwerksbetreibern, die für die unterirdische Speicherung von CO2 (CCS, arbon Dioxide Capture and Storage) wirbt. Die machen sich gerade in Brandenburg damit unbeliebt, nahe des Wahlkreises von Frank-Walter Seinmeier. Etwas unterirdisch war auch, wie der Kandidat ins Rennen kam: Er meldete sich und im Hinterzimmer wurde er ausgekungelt. Es gab ein kleines Emailscharmützel. Donnermeyer behauptet, nicht für die IZ Klima ins Abgeordnetenhaus zu wollen, sondern seine beiden Hüte auseinander halten zu wollen.
Nee, das isses noch nicht. Ich lasse das Jahr 2011 erstmal verstreichen. Die Karten werden da heftig neu gemischt werden.
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SPD
06 September 2010
Porsche 924 überraschend Dritter beim Wertanstieg

Foto: Porsche Kundenzeitung Christopherus
Gute Nachricht für alle 924-Fahrer, letzter Aufruf für alle, die liebäugeln: die Preise für die Frontmotoren beginnen zu steigen. Der VDA berichtet (Link), dass die Oldtimerpreise in der Krise im Durchschnitt nur leicht zurückgegangen sind. Einige Modelle sind sogar gestiegen. Den größten Preisanstieg gibt es bei der "Ente", Citroen 2CV. Und für alle überraschend hat der Porsche 924 den drittgrößten Preisanstieg erlebt.
Preisspannen für gute Gebrauchte (Zustand 2) kann man direkt beim Oldtimerindex abfragen. Auch hier gilt: Je älter, desto teurer. Hier die aktuellen Werte für 924 Modelle:
924 (bis 1979): 9.600 - 11.200 EUR
924 Turbo (bis 1982): 8.600 - 10.100 EUR
924 (bis 1986): 5.500 - 6.400 EUR
924S (bis 1988): 5.900 - 6.900 EUR
944 und 968 werden hier noch nicht erfasst, weil sie noch zu jung sind :-)
05 September 2010
New Yorker
04 September 2010
"Miss Earring Lyrics" - Falsch verstandene Songs
Waas? Nein, richtig!! Hier gehts natürlich um; Missheraring Lyrics, haha.
Von manchen Songs aus der Radioweckerzeit Anfang der 80er kriege ich erst heute ihre Titel raus. Dank an die Radiosender, die auf ihren Webseiten ihre Playlists ("Stückliste" wäre wieder missverständlich..) veröffentlichen.
So habe ich erfahren, dass Earth, Wind and Fire nie einen Song namens "I got the Fever" veröffentlicht haben. Der heißt nämlich "Ai No Corrida" und ist von Quincy Jones. Manche Suche hat mich wirklich gequält, weil sich immer wiederkehrende Stücke aus dem WDR 2 Morgenmagazin von 1979 bis 1983 in mein Ohr gebrannt hatten, ich aber nie Titel oder Interpret herausbekam.
Mir ging es wie der WDR Hörerin, die in einer Doku übers Radiohören erzählte, sie habe sich ihren ersten echten Lieblingssong damals nicht kaufen können, weil es "Pony Express" von dieser Rockerin nirgendwo gab.
Erst als ihr jemand zum Geburtstag mal eine Platte von Suzie Quattro schenkte, erfuhr sie, dass der Song "48 Crash" hieß..
Hier meine Liste (ich habe sie auch als iMix bei iTunes eingereicht, aber irgendwas klappt da nicht..)
Titel, Dauer, Interpret
Buona Domenica 6:52, Antonello Venditti
Bomba O Non Bomba 6:26, Antonello Venditti
Ai No Corrida 4:22 Quincy Jones
Drop the Pilot 3:40, Joan Armatrading
Wade In the Water 3:49, The Ramsey Lewis Trio
L.A. Goodbye 3:19, Secret Service
It's All Over Now Baby Blue 3:50, Them
Wird fortgesetzt... ;-)
Von manchen Songs aus der Radioweckerzeit Anfang der 80er kriege ich erst heute ihre Titel raus. Dank an die Radiosender, die auf ihren Webseiten ihre Playlists ("Stückliste" wäre wieder missverständlich..) veröffentlichen.
So habe ich erfahren, dass Earth, Wind and Fire nie einen Song namens "I got the Fever" veröffentlicht haben. Der heißt nämlich "Ai No Corrida" und ist von Quincy Jones. Manche Suche hat mich wirklich gequält, weil sich immer wiederkehrende Stücke aus dem WDR 2 Morgenmagazin von 1979 bis 1983 in mein Ohr gebrannt hatten, ich aber nie Titel oder Interpret herausbekam.
Mir ging es wie der WDR Hörerin, die in einer Doku übers Radiohören erzählte, sie habe sich ihren ersten echten Lieblingssong damals nicht kaufen können, weil es "Pony Express" von dieser Rockerin nirgendwo gab.
Erst als ihr jemand zum Geburtstag mal eine Platte von Suzie Quattro schenkte, erfuhr sie, dass der Song "48 Crash" hieß..
Hier meine Liste (ich habe sie auch als iMix bei iTunes eingereicht, aber irgendwas klappt da nicht..)
Titel, Dauer, Interpret
Buona Domenica 6:52, Antonello Venditti
Bomba O Non Bomba 6:26, Antonello Venditti
Ai No Corrida 4:22 Quincy Jones
Drop the Pilot 3:40, Joan Armatrading
Wade In the Water 3:49, The Ramsey Lewis Trio
L.A. Goodbye 3:19, Secret Service
It's All Over Now Baby Blue 3:50, Them
Wird fortgesetzt... ;-)
03 September 2010
SPD Berlin betreibt Parteiausschluss Sarrazins
Die SPD Berlin tut sich nicht leicht mit Thilo Sarrazin. Der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky, der in der Partei keinen Zweikampf scheut wenn es um das Thema EInwandererintegration geht, sagt: "Nicht ausschließen, ich fetze mich lieber mit ihm." So eine Haltung zeigt innere Stärke, stimmt den Befunden Sarrazins teilweise zu, sieht aber andere Ursachen und agiert mit anderen Annahmen.
Das Vorstandsmitglied Rüdiger Scholz (den ich bis dato nicht kannte) schreibt den Mitgliedern, dass der geschäftsführende Vorstand dem Landesvorstand
empfehlen wird.
Und weiter:
Landesvorsitzender Müller begründet es im ARD Morgenmagazin (Link) ähnlich. Er gibt aber auch zu, dass die Mitglieder keine einheitliche Meinung gegen Sarrazin haben.
Dabei stoßen zwei konträre Thesen aufeinander: Der Badener Genosse Christian Söder (www.rotstehtunsgut.de) meint: Weil die SPD den Religionsunterricht in den Schulen als Pflichtfach abgeschafft hat, sind die Berliner Schüler sozusagen gottloser geworden. Die andere Fraktion meint, dass der Islam (demnach der privat gepredigte) eine der entscheidenden Ursachen für fehlende Integration sei. Die Partei mag also bald mit Sarrazin fertig sein, mit dem Thema aber noch lange nicht.
Mich treibt ehrlich gesagt in puncto Person Sarrazin weniger die Frage um, ob wir ihn aus der Partei ausschließen sollten. Ich frage mich bei ihm, wie bei Clement, warum er überhaupt mal in die SPD eingetreten ist?
Das Vorstandsmitglied Rüdiger Scholz (den ich bis dato nicht kannte) schreibt den Mitgliedern, dass der geschäftsführende Vorstand dem Landesvorstand
die Einleitung eines Parteiordnungsverfahrens mit dem Ziel des Ausschlusses gegen Thilo Sarrazin zu beschließen
empfehlen wird.
Und weiter:
Thilo Sarrazin propagiert ein Menschenbild, das mit den Grundwerten der SPD nicht vereinbar ist. Er bewertet Migrantinnen und Migranten nach ihrer „wirtschaftlichen Verwertbarkeit“, das ist menschenverachtend. Diesem Duktus bleibt Thilo Sarrazin treu. Er spricht von bestimmten „jüdischen Genen“ und „vererbbarer Dummheit“, die die Zugehörigkeit zu Klassen und Schichten unverrückbar festlege. Ganz anders das Menschenbild der Sozialdemokratie: Es orientiert sich an den Grundwerten von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität und der Emanzipation von sozialer, kultureller oder ethnischer Benachteiligung.
Landesvorsitzender Müller begründet es im ARD Morgenmagazin (Link) ähnlich. Er gibt aber auch zu, dass die Mitglieder keine einheitliche Meinung gegen Sarrazin haben.
Dabei stoßen zwei konträre Thesen aufeinander: Der Badener Genosse Christian Söder (www.rotstehtunsgut.de) meint: Weil die SPD den Religionsunterricht in den Schulen als Pflichtfach abgeschafft hat, sind die Berliner Schüler sozusagen gottloser geworden. Die andere Fraktion meint, dass der Islam (demnach der privat gepredigte) eine der entscheidenden Ursachen für fehlende Integration sei. Die Partei mag also bald mit Sarrazin fertig sein, mit dem Thema aber noch lange nicht.
Mich treibt ehrlich gesagt in puncto Person Sarrazin weniger die Frage um, ob wir ihn aus der Partei ausschließen sollten. Ich frage mich bei ihm, wie bei Clement, warum er überhaupt mal in die SPD eingetreten ist?
02 September 2010
Sarrazin lenkt vom Versagen der Oberschicht ab
Meinungsumfragen zeigen eine große Unterstützung für Sarrazin. Das Gros der Leute beschäftigt sich vermutlich nicht damit, ob es nun angeborene Intelligenz gibt und wie die Statistiken zu lesen sind. Das Gros liest und hört seit Jahren von nicht "integrierten" (soll heißen: "angepassten") arabischen Einwanderern, die nicht einmal in der dritten Generation deutsch sprechen. Und von arabischen Großfamilien, die ihre eigenen Regeln und Gesetze durchsetzen. In Berlin z.B. schaffte es im vergangenen Jahr eine, ihren Sohn vor der Verurteilung für einen tödlichen Verkehrsunfall zu schützen. Der Herr Sohn hatte mit einem teuren Sportwagen eine Fussgängerin tot gefahren, besaß keinen Führerschein und bezog Hartz IV. Zu seinem Glück hat er einen Zwillingsbruder und das Gericht lässt im Zweifel beide in Ruhe, wenn nicht klar ist, wer die Tat begangen hat.
Fragt man sich selbst und andere, welche Einwanderer man denn persönlich kennt, wen man überhaupt dazu zählt und welche Erfahrungen man mit ihnen gemacht hat, kommen dagegen überwiegend positive Beispiele. Die Menschen sind nicht so verschieden wie sie aussehen. Die meisten verfolgen die gleichen Ziele, wenn sie überhaupt welche verfolgen. Wer fließend deutsch spricht, kann aussehen und herkommen woher er will, ich nehme ihn als Deutschen wahr. In dem Sinne, dass er dazu gehört. Ausnahmen bilden nur die religiös Extremen. Aber auch das gilt für alle Richtungen: George W. Bush nimmt das Alte Testament wörtlich. So wie der Hassprediger Koran und Scharia.
Und die anderen, die nicht Integrierten? Es ist schwer, eine völlig fremde Sprache zu lernen. Erst recht, wenn man in der Schule überhaupt keine Fremdsprache gelernt hat. Im Westen sind wir mit Englisch, Französisch und Latein groß geworden. Die sind alle miteinander verwandt. Wer sich damit für weltgewandt hält, möge mal versuchen, das notwendige Alltagsvokabular von Polnisch oder Russisch zu lernen. Einwanderer von dort haben deutsch in der Schule gelernt, deshalb bewegen sie sich hier zumindest sprachlich ziemlich sicher. Umgekehrt brechen wir Wessis (bzw. Wossis) uns 150km östlich von Berlin einen ab, wenn wir pro Tag auch nur eine Vokabel lernen wollen.
Die deutsche Wirtschaft verlangte nach dem Krieg billige und ungebildete Arbeitskräfte. Männer, die zupacken und keine lästigen Fragen stellen. Halt so, wie man sie sich im Kaiserreich und Weimarer Republik erzogen, dann aber an der Front verheizt hatte. Die Walter Jensens und Co. wollten nicht auf dem Bau und unter Tage arbeiten. Da mussten robuste Leute her.
Beschäftigen wollte man sich mit denen aber nie. Man wollte sie vielmehr zurücksenden, als man sie nicht mehr brauchte. Aber sie blieben. Und einige von ihnen machen Probleme.
Für die Oberschicht, die Funktionselite, in Deutschland ist es immer gut, einen Sündenbock in Reserve zu haben. Das ist seit hundert Jahren so. Deutschland kommt überall zu spät an, weil unsere Elite ihr Elitedasein genießt, und ihre Privilegien absichert. Sie verbringt ihre Zeit damit, Einfluss auf die Politik und die öffentliche Meinung zu nehmen. Ihr Ziel ist es, ungestört Steuern hinterziehen zu dürfen und die Leute abzulenken. Sie profitieren davon, wenn die Leute dumm bleiben. Sie wollen keine lästige Konkurrenz für ihre Söhne und Töchter. Und wenn doch zuviele empor kommen, dann sorgen sie dafür, dass es wieder Studiengebühren gibt. Sie sorgen auch dafür, dass die da unten gleich mehrere Jobs brauchen, um über Wasser zu bleiben.
Sie legen ihre Vermögen bei Vermögensberatern und Bänkern an, die den Entwicklungen an den Börsen nachlaufen. Sie richten ihre Unternehmen auf Produkte und Dienstleistungen aus, von denen sie gehört haben, dass sie in den USA und Asien gut laufen. Das wollen sie auch. Aber sie scheitern oft mit beidem. Weil sie sich für etwas anderes als ihre Inzucht nicht interessieren. Sie wissen selten, was draußen gespielt wird. Das war unter Wilhelm Zwo so, als der Rest der Welt Kolonien eroberte, weil er den Bedarf an Rohstoffen für das kommende Industriezeitalter erkannt hatte, und das gilt heute für das Internetzeitalter. Kein bedeutendes Produkt hat Deutschland zum Internet- und Kommunikationszeitalter beigesteuert.
Siemens, Quimonda und Infineon geben boomende Geschäftszweige auf, weil diese sich an Konsumenten richten. Siemens und Co. können aber nur mit Geschäftskunden, vom Privatkunden wissen sie nichts. Ihre Manager nutzen ja auch kein internet und kein iPhone und sie interessieren sich anscheinend auch nicht dafür, womit sich ihre Kinder so beschäftigen. iPads bestellen sie bei ihrem Arbeitgeber als "Weiterbildungsmaßnahmen", als eine Art Marktforschung. Und wenn es darum geht, Karstadt zu modernisieren, eine Antwort auf amazon.com zu finden, versagen sie auch. Sie versuchen es mal, ganz unternehmerisch, aber nur, wenn man sie mit Millionen lockt, abgesichert, selbst für den Fall, dass sie sich nach sechs Monaten schon wieder als inkompetent herausstellen-
Und die andere innovationsgetriebene Industrie, die Finanzindustrie, hat unsere Elite auch noch nie verstanden. Sie wirft sich gerne in Pose und spricht von den "internationalen Kapitalmärkten"; aber sie durchschauen nicht, was gespielt wird. "Wir waren von der Entwicklung an den Immobilenmärkten genau so überrascht wie Sie." eröffnete 2008 der Aufsichtsratsvorsitzende der IKB, Ulrich Hartmann, seinerzeit die Hauptversammlung. Genau. Wann immer es darum ging, sich für sein Geschäft zu interessieren, ein Näschen zu haben, vor der Welle herzulaufen, versagten sie immer und zuverlässig.
Spricht man sie darauf an, fühlen sie sich provoziert.
Sie korrigieren sich nicht, sie reflektieren nicht. Sie schauen nur, ob ihnen jemand deshalb nun die sichere Stellung streitig machen könnte. Dann sorgen sie dafür, dass wir abgelenkt werden, und mit neuen Ängsten klein gehalten werden. Und wenn der Unmut zu starkt anschwillt, müssen Sündenböcke parat stehen.
Und so erfindet der oberste Bänker der Nation, Thilo Sarrazin, die Fiktion eines aussterbenden deutschen Volkes. Er greift dabei zu Bildern aus den dreißiger und sechziger Jahren. Aber es verfängt wieder. Sarrazin hätte besser über das Versagen seiner eigenen Schicht schreiben sollen, und welche Gefahr von den minderen Qualitäten unseres "Materials" in den Führungsetagen mancher Unternehmen und Banken ausgeht.
Aber darum geht es ihm gar nicht. Sarrazin hatte die Veröffentlichung seines Buches so gewählt, dass sie die Regierungsbeschlüsse zum sog. Sanierungspaket übertönen würde. In dieser Woche wurde beschlossen, die Finanzhilfen für die Banken, für die Zunft Sarrazins, mit Sozialkürzungen und Steuererhöhungen für die Unter- und Mittelschicht zu finanzieren. Davon haben die Medien geschwiegen.
Der Plan ist aufgegangen. Die Erregermaschine hat funktioniert.
Fragt man sich selbst und andere, welche Einwanderer man denn persönlich kennt, wen man überhaupt dazu zählt und welche Erfahrungen man mit ihnen gemacht hat, kommen dagegen überwiegend positive Beispiele. Die Menschen sind nicht so verschieden wie sie aussehen. Die meisten verfolgen die gleichen Ziele, wenn sie überhaupt welche verfolgen. Wer fließend deutsch spricht, kann aussehen und herkommen woher er will, ich nehme ihn als Deutschen wahr. In dem Sinne, dass er dazu gehört. Ausnahmen bilden nur die religiös Extremen. Aber auch das gilt für alle Richtungen: George W. Bush nimmt das Alte Testament wörtlich. So wie der Hassprediger Koran und Scharia.
Und die anderen, die nicht Integrierten? Es ist schwer, eine völlig fremde Sprache zu lernen. Erst recht, wenn man in der Schule überhaupt keine Fremdsprache gelernt hat. Im Westen sind wir mit Englisch, Französisch und Latein groß geworden. Die sind alle miteinander verwandt. Wer sich damit für weltgewandt hält, möge mal versuchen, das notwendige Alltagsvokabular von Polnisch oder Russisch zu lernen. Einwanderer von dort haben deutsch in der Schule gelernt, deshalb bewegen sie sich hier zumindest sprachlich ziemlich sicher. Umgekehrt brechen wir Wessis (bzw. Wossis) uns 150km östlich von Berlin einen ab, wenn wir pro Tag auch nur eine Vokabel lernen wollen.
Die deutsche Wirtschaft verlangte nach dem Krieg billige und ungebildete Arbeitskräfte. Männer, die zupacken und keine lästigen Fragen stellen. Halt so, wie man sie sich im Kaiserreich und Weimarer Republik erzogen, dann aber an der Front verheizt hatte. Die Walter Jensens und Co. wollten nicht auf dem Bau und unter Tage arbeiten. Da mussten robuste Leute her.
Beschäftigen wollte man sich mit denen aber nie. Man wollte sie vielmehr zurücksenden, als man sie nicht mehr brauchte. Aber sie blieben. Und einige von ihnen machen Probleme.
Für die Oberschicht, die Funktionselite, in Deutschland ist es immer gut, einen Sündenbock in Reserve zu haben. Das ist seit hundert Jahren so. Deutschland kommt überall zu spät an, weil unsere Elite ihr Elitedasein genießt, und ihre Privilegien absichert. Sie verbringt ihre Zeit damit, Einfluss auf die Politik und die öffentliche Meinung zu nehmen. Ihr Ziel ist es, ungestört Steuern hinterziehen zu dürfen und die Leute abzulenken. Sie profitieren davon, wenn die Leute dumm bleiben. Sie wollen keine lästige Konkurrenz für ihre Söhne und Töchter. Und wenn doch zuviele empor kommen, dann sorgen sie dafür, dass es wieder Studiengebühren gibt. Sie sorgen auch dafür, dass die da unten gleich mehrere Jobs brauchen, um über Wasser zu bleiben.
Sie legen ihre Vermögen bei Vermögensberatern und Bänkern an, die den Entwicklungen an den Börsen nachlaufen. Sie richten ihre Unternehmen auf Produkte und Dienstleistungen aus, von denen sie gehört haben, dass sie in den USA und Asien gut laufen. Das wollen sie auch. Aber sie scheitern oft mit beidem. Weil sie sich für etwas anderes als ihre Inzucht nicht interessieren. Sie wissen selten, was draußen gespielt wird. Das war unter Wilhelm Zwo so, als der Rest der Welt Kolonien eroberte, weil er den Bedarf an Rohstoffen für das kommende Industriezeitalter erkannt hatte, und das gilt heute für das Internetzeitalter. Kein bedeutendes Produkt hat Deutschland zum Internet- und Kommunikationszeitalter beigesteuert.
Siemens, Quimonda und Infineon geben boomende Geschäftszweige auf, weil diese sich an Konsumenten richten. Siemens und Co. können aber nur mit Geschäftskunden, vom Privatkunden wissen sie nichts. Ihre Manager nutzen ja auch kein internet und kein iPhone und sie interessieren sich anscheinend auch nicht dafür, womit sich ihre Kinder so beschäftigen. iPads bestellen sie bei ihrem Arbeitgeber als "Weiterbildungsmaßnahmen", als eine Art Marktforschung. Und wenn es darum geht, Karstadt zu modernisieren, eine Antwort auf amazon.com zu finden, versagen sie auch. Sie versuchen es mal, ganz unternehmerisch, aber nur, wenn man sie mit Millionen lockt, abgesichert, selbst für den Fall, dass sie sich nach sechs Monaten schon wieder als inkompetent herausstellen-
Und die andere innovationsgetriebene Industrie, die Finanzindustrie, hat unsere Elite auch noch nie verstanden. Sie wirft sich gerne in Pose und spricht von den "internationalen Kapitalmärkten"; aber sie durchschauen nicht, was gespielt wird. "Wir waren von der Entwicklung an den Immobilenmärkten genau so überrascht wie Sie." eröffnete 2008 der Aufsichtsratsvorsitzende der IKB, Ulrich Hartmann, seinerzeit die Hauptversammlung. Genau. Wann immer es darum ging, sich für sein Geschäft zu interessieren, ein Näschen zu haben, vor der Welle herzulaufen, versagten sie immer und zuverlässig.
Spricht man sie darauf an, fühlen sie sich provoziert.
Sie korrigieren sich nicht, sie reflektieren nicht. Sie schauen nur, ob ihnen jemand deshalb nun die sichere Stellung streitig machen könnte. Dann sorgen sie dafür, dass wir abgelenkt werden, und mit neuen Ängsten klein gehalten werden. Und wenn der Unmut zu starkt anschwillt, müssen Sündenböcke parat stehen.
Und so erfindet der oberste Bänker der Nation, Thilo Sarrazin, die Fiktion eines aussterbenden deutschen Volkes. Er greift dabei zu Bildern aus den dreißiger und sechziger Jahren. Aber es verfängt wieder. Sarrazin hätte besser über das Versagen seiner eigenen Schicht schreiben sollen, und welche Gefahr von den minderen Qualitäten unseres "Materials" in den Führungsetagen mancher Unternehmen und Banken ausgeht.
Aber darum geht es ihm gar nicht. Sarrazin hatte die Veröffentlichung seines Buches so gewählt, dass sie die Regierungsbeschlüsse zum sog. Sanierungspaket übertönen würde. In dieser Woche wurde beschlossen, die Finanzhilfen für die Banken, für die Zunft Sarrazins, mit Sozialkürzungen und Steuererhöhungen für die Unter- und Mittelschicht zu finanzieren. Davon haben die Medien geschwiegen.
Der Plan ist aufgegangen. Die Erregermaschine hat funktioniert.
01 September 2010
Starts spreading the news..

Foto: Gary Gelb, Greenwich Village, Manhattan, Oktober 2000
Am Dienstag, den 11. September 2001, nahm ich an einem Wochenseminar der IBM in Stuttgart teil. Meine Frau und ich hatten bereits bei British Airways Tickets nach New York gekauft. Wir wollten Anfang Oktober fliegen. Gegen 15h verließ ich den Seminarraum für eine kurze Pause. Ich hörte meine Handymailbox ab. Oh, unsere Freundin aus Essen fragte ziemlich aufgeregt, ob wir noch in Deutschland seien oder schon "drüben". Wenn ich das höre, solle ich bitte schnell zurückrufen. Danach meine Frau, im Hintergrund aufgeregte Stimmen. Ich rief sie zurück und sie schilderte mir, was passiert war. Sie sagte, man verdächtige bin Laden als Drahtzieher. Ich stellte ihn mir als den Teufel persönlich vor.
Mit diesem Wissen war ich zu diesem Zeitpunkt einer der wenigen im IBM Gebäude. So ging ich zurück in den Seminarraum und überlegte, ob ich die Nachricht einfach laut verkünden sollte. Sie schien mir zu groß, als dass sie Zeit bis nach dem Seminarende hätte. Andererseits war es ein interessantes Gefühl, zu wissen, dass eine Nachricht gleich den Raum verändern würde. Es lief ein Video auf dem Beamer, auf dem Lou Gerstner sagte: "There are three types of people in business: Those who watch things happen, people to whom things happen and those who let things happen." Damit traf er den Nagel auf den Kopf. Ironischer ging es gar nicht.
Dann stieg der Drang in mir, die Nachricht herauszulassen. Aber ich wusste gar nicht, was ich zuerst sagen sollte. Terror, Flugzeuge, New York.
Wir starteten ein Thinkpad und surften auf SPIEGEL Online. Wir sahen rauchende Twintowers. Im Seminar hatten wir einen Kollegen von der IBM UK. Der rief in seiner Hauptverwaltung in England an und erfuhr, dass sie den Luftraum gesperrt hätten. Er sagte nervös: "Das ist ein ganz gefährliches Zeichen. Jetzt ist es wirklich ernst."
Wir brachen das Seminar ab um auf unsere Hotelzimmer zu gehen. Wir verabredeten uns für das Abendessen. Als ich aufs Zimmer kam und n-tv einschaltete, stürzte einer der Türme ein. Ich sah den Turm, den wir ein Jahr zuvor noch betreten hatten, der auf etlichen Fotos zu sehen war, einstürzen. In dem Moment stürzte auch in mir etwas ein. Ich hatte die USA seit dem Amtsantritt Bill Clintons gemocht. War zwei mal in New York gewesen. Der Internet- und Gründerboom, die Börsenhausse. New York wie eine kalte Dusche, die einen aufweckt und nach Luft japsen lässt. Das Zentrum der Welt. Perspektiven, die nie enden. Und jetzt das: Eine Heimsuchung aus der Steinzeit.
Mir ging es wie allen, ich konnte die Augen nicht mehr vom Fernseher nehmen, und telefonierte parallel mit meiner Frau. Nach Abendessen war mir überhaupt nicht zumute, aber da war auch das Bedürfnis, mit den Kollegen zusammenzurücken. Noch einen Tag zurvor hatte ich mit meinem Chef über Rudolf Scharpings Fotos aus dem Swimmingpool gewitzelt.
Am nächsten Tag hieß es bei IBM: Flugverbot. Also Heimfahrt am Donnerstag mit dem Zug? Es ging ein paar mal hin und her. Dann durften wir doch fliegen. Es war das leerste Flugzeug, mit dem ich je geflogen bin. Höchstens 10 bis 20 Passagiere. Alle schweigsam, alle unwohl, alle ängstlich. Der Terror verlieh der Phantasie Flügel.
Später erinnerte ich mich an einen Gedanken vom Februar 2001. Wir waren gerade nach Berlin gezogen und wohnten in einem möblierten Appartement in Charlottenburg. Schwer beschäftigt mit dem Umzug und meinem Projektstart bekam ich Tagesnachrichten immer nur abends in den Tagestehemen mit. Da war eine Meldung von einem chinesischen Spionageflugzeug, dass die US Armee abgeschossen hatte. Oder es war umgekehrt. Jedenfalls wurde der frisch gebackene Präsident mit harschen Worten in Richtung China zitiert. Irgendeine Eingebung ließ mich zu meiner Frau sagen: "Den werden wir noch in olivgrüner Uniform erleben. Der ist mit nicht geheuer."
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